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Ein Tisch für zwei

Ein Tisch für zweiDie Zeiten ändern sich? Die Zeiten ändern sich dauernd. Selbst vier Wochen absolvierten Urlaub fordern einen gewaltigen Anlauf, um wieder auf seiner gewohnten Spur zu landen. Und dann die Technik. Vergleiche mit schon Dagewesenem, um das Wort „früher“ nicht strapazieren zu müssen, zeigen deutlich, dass man nicht ständig auf der Höhe der Dinge ist.

Also fangen die Trommelfelle an zu vibrieren und hören die tollsten Kreationen in Sachen Wortschöpfung: von „Technik-Zombie“ über „Edisons Großvater“ bis „Dino-Züchter“ und „Monte Christos Zellennachbar“ ist alles dabei. Dabei drängt es bloß zum anderen Geschlecht, mehr nicht. Aber allein das kann zur Falle werden und nachrüsten ist angesagt.

Sprach man vor vielen Jahren noch mit gedämpfter Stimme säuselnde Laute in das lockenverdeckte Ohr seiner Auserkorenen, so schaut man neuerdings auf das Display seines Smartphones um zu realisieren, wer sich als williger Partner mit gleicher Absicht in der Nähe aufhält und dies durch eine aktivierte Gratis-Software dem Rest der Welt zu verstehen gibt.

Ebenso, wie die aus Tausend Phantasieteilen zusammengelöteten und von allen Ecken des Planeten samt Konterfei herbei geklaubten Profile der Social-Portale, entstehen die Erkennungsmerkmale in den Apps und lassen einen Fremden wissen, wie man aussieht, bzw. was ihn erwartet. Saß man seinerzeit mit Sehsucht in den Knochen allein an einem Tisch für zwei und wartete ungeduldig, so existiert dieses Gefühl nicht mehr und auch der Tisch bezieht schon Rente.

Provokante und eindeutige Sprüche geben Auskunft über den Absender und sein Ansinnen. Je dunkler die Laterne, desto größer ist der Mut, manches scheint sich nicht ändern zu wollen. Die Weitergabe der Handy-Nummer kommt dem Erstehen der Anschrift der damaligen Holden gleich, auch in dieser Hinsicht scheint alles beim Alten geblieben zu sein. Früher wusste man nicht, wer die Türe öffnet und heute weiß man nicht, wer am anderen Ende spricht.

Ist es einfacher geworden, jemanden kennenzulernen? Ist die Romantik abhandengekommen? Ist das Händchenhalten bei Liebesfilmen im Kino noch vorhanden? Blumen, Gedichte schreiben kleine Steine gegen ihr Fenster werfen? Das alles ist altmodisch? Die unnachahmlichen Songs der 60er und der 70er Jahre spielt man auch heute noch oder wieder. Seltsamerweise kennen nicht nur Oma und Opa den Text, sondern auch die „Jungfüchse“ grölen fleißig mit.

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