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Ruhe, verdammt Juch-he!Mitten in der Nacht durch die promillegeschwängerte Rücksichtslosigkeit eines Mitmenschen geweckt zu werden, ist unangenehm und man neigt in diesen Augenblicken zur Wiedereinführung der Prügelstrafe. Den scheinheiligen Gruß dieses Nachbarschaftstyrannen ignoriert man gekonnt und bindet sich die Schuhe zu, auch wenn man an diesem Tage des nassen Wetters wegen Gummistiefel trägt. Irgendwo möchte man sein.

Die so oft schon zitierte einsame Insel schwebt durch den Kopf und auch das Lied „über den Wolken“ ist mit von der Partie. Sich kiloweise Watte oder sonstige Cellulose ins Ohr zu pfropfen bringt nicht die gewünschte Ruhe. Allein das unentwegte auch nächtliche Herausfallen dieser Dämmstoffe, bietet dauerhaft betrachtet keine Sicherheit, im Sinne einer Gewährleistung auf bleibende und vernehmbare Stille. Die weiteste Entfernung von der Zivilisation wäre die Rettung, zumindest eine Möglichkeit.

Die Entfernung müsste so groß sein, dass ein gerade eingeschulter Briefzusteller per Fahrrad, beim Ankommen das Abituralter erreicht hat. Dort könnte ein Plätzchen sein, an dem kein Laut vernehmbar, kein Geräusch und keine akustische Störung zwischen Trommelfell und Hörnerv wäre. Allein die Arrhythmik des Stepptanzes einer ordinären Stubenfliege oder der ebenso ungeordnete Gedankenfluss eines Fremden, der durch wirres Zucken der Augen die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, stellen insgesamt Gründe dar, Reißaus zu nehmen.

Kein Ausweg in Sicht und kein Weg der zurück führt.

Hat man sich dort einigermaßen wohnlich eingerichtet und der Wunsch länger zu verweilen wird deutlich, planen sicher irgendwelche militaristisch Gedrillte und mit allerlei Orden behangene Stützpunktbefehlshaber, eine Tiefflugschneise und Mach-4-Jets manövrieren knapp 20 Meter über dem Gebäude. Beim Durchbrechen der Schallmauer verweigert jeder Herzschrittmacher seinen Dienst und überdies wird soeben eine Intercity-Trasse vermessen.

Die schon bestehende Fluglinie wird umgeleitet, denn bei einer Notlandung erweist sich der frisch gedüngte 2 Hektar große, englische Rasen vor dem Haus als willkommen. In der sowohl fürsorglichen, als auch fälschlichen Annahme, Bewohner des alleinstehenden Hauses könnten an Nahrungsmangel leiden, schießen Supermärkte wie auch Imbissketten aus dem Boden wie Raketen.

Straßen entstehen in Windeseile, als ob man sie wie Kunstrasen ausrollt und – schwups – über Nacht leuchten sogar Lampen über und neben den Fahrstreifen. Der Zubringer zur Autobahn ist nur noch ein Klacks und die Garage bekommt Gesellschaft in Form eines direkt anschließenden Zufahrtwegs. Der debil grinsende Kutscher eines baumaschinenartigen Asphaltmonsters mit der Kippe im Mundwinkel, schwingt mit der einen Hand seinen Sicherheitshelm und mit der anderen hupt er kräftig.

So drückt man Freude aus, so bringt man den, der der Einsamkeit frönen wollte, an den Rand des Wahnsinns. Schusswaffengebrauch ist keineswegs human, doch wann zeigen sich endlich probate Alternativen.

Der noch bleibende Weg geht abwärts. Wie es Bergleute schon an allen Ecken dieser Erde vormachten, gräbt man sich maulwurfartig in die Erde hinein. Da man dem Erdkern bei jedem Spatenstich ein wenig näher rückt, erspart man sich jedwede Heizkosten, denn warm wird’s von ganz alleine. Allerdings auch dunkel. Licht muss her und Licht frisst wiederum Energie, also Kosten. Was sich auf der Spar-Seite kurzfristig aufhält, schaufelt man zur Ausgaben-Seite. Mit miserabel kalkulierten Bausparverträgen soll es sich ähnlich verhalten.

Und Kabel werden benötigt. Millionen Meter von Kabel liegen kreuz und quer in den Schächten, den Stollen und den Gängen. Die Stromversorgung stellt sich als lösbare Aufgabe dar, schließlich befindet sich unter den an der Oberfläche entstandenen Geschäften auch ein Baumarkt. Das hauptsächliche Problem ist die Verdauung. Irgendwann will es wieder raus und das nicht nur in flüssiger Form. Der Fall ist klar, es muss ein sauber gekacheltes Badezimmer mit Dusche daher. Warum soll man 2 Kilometer unter der Erde auf gewohnte Annehmlichkeiten verzichten, schließlich besitzt man als kultivierter Zeitgenosse Ansprüche und die wollen gestillt werden.

Die nassen Handtücher, die man vom Duschen bekommt, müssen wieder trocknen. Ein Trockner ist scheinbar von Nöten. Dann kann aber auch gleich eine Waschmaschine mit antraben, woher sonst sollen saubere Handtücher kommen. Zum Aufbewahren der Handtücher fehlt somit ein Schrank. Nun wird’s aber voll hier im Badezimmer, ein weiterer Raum wäre jetzt von Sinn. Platz ist ausreichend vorhanden, man hätte mit dem Bad schon nicht so knausern müssen.

Generell bleibt die Frage, wie man sich dem Höllenlärm des Presslufthammers entzieht, den man selbst – und das ist das eigentliche Malheur – veranstaltet. Ohne die Hilfe moderner Utensilien käme man durch pures Graben mit den Händen nur schwerlich vorwärts. Selbst der Graf von Monte Christo benutzte Hilfsmittel. Vielleicht ließe sich eine Art Kopfhörer in den Gehörschutz integrieren, so dass ein fetziger Sound die Gehörgänge umschmeichelt. Auch ginge dann die Arbeit erheblich flotter von der Hand und machte außerdem mehr Laune.

Arbeit die Spaß macht nennt man ansonsten Hobby.

Jedenfalls müssen Teppiche in die schon fertigen Gänge. Barfüßig über den teilweise noch sandigen Boden zu laufen ist ungesund. Basta. Die schon seit ewigen Zeiten beantragte Telefonleitung nebst Internetzugang, lässt auf sich warten und macht die Kommunikation in vielerlei Hinsicht zur Strapaze. Es ist überaus lästig und wegen jeder noch so unbedeutend erscheinender Kleinigkeit zuerst den Fahrstuhl zu besteigen, dann ins Auto zu hüpfen, um dann das Fehlende zu besorgen. Unendlich komfortabler wäre es, das Telefon zu benutzen, nötigenfalls das Mobile.

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