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Rente im Jahre 2050

Rente im Jahre 2050Endlich war das Kind da. Es war das vierzehnte und gesund. Zum Glück war es ein Junge. Jungen lassen sich besser verkaufen und sind zäher. Mädchen werden nur zur Fortpflanzung oder zum Tausch eingesetzt. Auch im Haus kann man sie einsetzen, aber der Marktwert ist gering. Wer die meisten Jungen vorzuweisen hat, ist automatisch der Chef und hat das Sagen. Das Sagen wollen viele haben. Aber die Meisten scheitern, weil sie nicht durchhalten.

Geld vom Staat gibt es keines. Jedenfalls kein Altersruhegeld. Von einer monatlichen Rente erzählen die Großväter ab und zu, aber irgendwie glaubt ihnen keiner so recht. Kinder haben ist ein Segen. Schon den Jüngsten wird harte Arbeit schmackhaft gemacht. Sie müssen sich früh dran gewöhnen. Je mehr Kinder arbeiten, desto besser geht es den Alten, den Eltern und sogar deren Geschwister.

Man freut sich, wenn einer der älteren Personen stirbt. Wieder einer weniger, für den man nicht sorgen muss. Das sogenannte eigene Zimmer gibt es schon lange nicht mehr. Auf alten Photos und in alten Filmen sieht man sie noch: Die Leute, die sich ein Haus im Grünen leisten konnten. Doch dann – ganz plötzlich – war der Staat pleite. Zahlungen blieben aus und jeder schaute den Nächsten fragend an.

Nach Schuld wurde gesucht und die hatte die Regierung. Wie konnte man es dazu kommen lassen, wie ist so etwas möglich, wie verantwortungslos muss man sein, mit Eigentum Anderer derart umzugehen? Politiker wurden immer öfter Opfer gewalttätiger Auseinandersetzungen mit den Bürgern.

In gepanzerten Fahrzeugen sah man sie ab und zu daher fahren und fragte sich umgehend, wer das alles mal wieder bezahlt hat. Auf Alles und Jedes erhob die Regierung Steuern. Das feudale Leben der Obrigkeit hatte seinen Preis. Und für diesen Preis wurde das Volk geknechtet.

Wer keine Kinder besaß und nie welche bekommen würde, musste sich entweder welche kaufen, oder selbst für sein Altersgeld sorgen. Darum standen Einbrüche und Morde an erster Stelle der Kriminaldelikte. Erspartes wurde beim Einbruch gestohlen und wer sich wehrte, wurde kurzerhand umgebracht.

Für die Meisten war es eine Art Erlösung, um die Ecke gebracht zu werden, denn das Ersparte hätte für ein langes Dasein nicht ausgereicht. Auch wenn es bitter klingt, aber manchmal ist das Leben nur noch tot zu ertragen.

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