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Raucher oder Nichtraucher – Das ist hier die FrageAb wann zählt man zu den Nichtrauchern? Wie lange muss man dem Glimmstängel ade gesagt haben, um wieder so dazustehen, wie zuvor, bevor man also Raucher wurde? Schon sehr lange betrachte ich mir die Berichte und niedergeschriebenen Erfahrungen ehemaliger Raucher und stehe ebenso lange vor der Frage, ob es Sinn macht, der Welt davon zu berichten, nicht mehr zu rauchen.

Einerseits macht man gewissen Leuten Mut und andererseits steht man in einer merkwürdigen Verpflichtung sich selbst und seinem Wort gegenüber. Das ist erdrückend. Wie will man sich rechtfertigen und keinesfalls blamieren, wenn das gesamte Vorhaben trotz aller guter Vorsätze nicht klappt? Dann steht man dumm da, wenn man es „jedem“ erzählt hat. Tagebücher habe ich verfolgt: Tag 1 als Nichtraucher, Tag 2, usw.

Beifall und Bewunderung von der einen Seite und beschämendes Schweigen auf der anderen. „Das schaffe ich nie…“ Diesen Satz las ich unzählige Male und las ebenso, dass diese Person es auch gar nicht schaffen will. Mir persönlich ist es egal, ob jemand raucht oder nicht raucht. Auch macht mir die Anwesenheit eines aktiven Rauchers nichts aus, wenn er mir seinen Qualm nicht direkt oder während ich esse ins Gesicht pustet. Ich will niemanden läutern, bzw. missionieren. Geld spielt in diesem Thema keine wesentliche Rolle. Gesundheit sicher auch nicht, Sucht vielleicht. Ich kann es nicht bestimmen.

Am 23.03.2010 habe ich aufgehört. Wie? Diese Frage kommt immer und ich gebe gerne Auskunft. Ich habe einfach nicht mehr geraucht. Von einer Sekunde zur anderen? Genau! Das ist aber schwierig, oder?! Ja, ist es. War ich ein starker Raucher? Eine Packung pro Tag war oftmals zuwenig, nicht zuletzt auch darum, weil sich die Inhaltsmenge mit den Jahren reduzierte. Und warum wurde ein Raucher zum Nichtraucher? Der Reihenfolge nach war man zunächst einmal Nichtraucher, wurde dann irgendwann Raucher und trennt sich ebenso irgendwann von dieser üblen Gewohnheit, oder bleibt dabei.

Ich habe 40 Jahre geraucht, immer ein und dieselbe Sorte. 4 Jahrzehnte habe ich meinen Körper zugeräuchert und ihm einiges zugemutet. Macht Rauchen nicht irgendwann süchtig? Bestimmt. Und wenn man plötzlich aufhört, wird man dick. Sagen einige und deuten dabei auf ihren ohnehin unübersehbaren Bauch. Man benimmt sich jedenfalls anders und ändert auch seine Essgewohnheiten.

20 Kilo – sagte jemand zu mir – hätte er zugenommen und schuld sei das Nichtrauchen. Als ich eine Gewichtszunahme meinerseits bemerkte und 5 Kilogramm machen sich allerdings bemerkbar, beobachtete ich meinen Tagesablauf genauer. Essen und die damit verbundene Gewichtszunahme entpuppte sich als Rauch-Ersatz. Jedes mal wenn ich mir eine angezündet hätte, ging ich stattdessen in die Küche und stopfte irgendwas in mich hinein.

Also musste ich wieder zurückfinden, zu meinen normalen Essgewohnheiten. Aber dieser Gedanke stellte sich als Unsinn dar. 40 Jahre können nicht mit einem Ruck ausgemerzt und in den „alten“ Zustand versetzt werden. Sport oder zumindest viel Bewegung lautet ein kluger Rat, der allerdings nicht von jedem realisiert wird. Einerseits liegt’s am Willen und andererseits liegt’s am Können.

Es gibt Leute, die an ihren Nägel kauen und es gibt Leute, die – sobald sie einen Kugelschreiber in der Hand haben – die Mine rein- und rausfahren, indem sie mit dem Daumen ständig auf das obere Ende klicken und ein nervtötendes Geräusch erzeugen. Nimmt man diesen Leuten den Kuli weg, reagieren sie evtl. sauer. Gibt man ihnen ihr „Spielzeug“ wieder, sind sie scheinbar zufrieden und stillen ihre Sucht.

Und die Nägelbeisser? An was würden sie kauen, wenn keine Nägel da wären? Und die Raucher? Was würden sie tun, wenn sie nichts zu rauchen hätten? Mit all diesen Argumenten habe ich mich selbst beschäftigt und warf sie allesamt „über Bord“. Rituale hängen am rauchen. Nach dem Frühstück, nach dem Essen, nach dem und vor dem und zwischendurch sowieso.

Erklärungen habe ich gesucht und gefunden habe ich Rechtfertigungen als Gegenfragen a lá: Was ist mit Helmut Schmidt (ehem. Bundeskanzler und Herausgeber der ZEIT)?! Was ich mit ihm gemeinsam hatte? Wir waren beide Raucher, er ist es immer noch. Das ist alles? Ja, das war’s schon in Sachen Gemeinsamkeit. Wahrscheinlich haben wir beide einen rechten Arm und nur ein linkes Ohrläppchen, sind einer Kirche angehörig und beherrschen den aufrechten Gang. Es gibt also doch noch Einiges mehr…

Und er hat einen Herzschrittmacher. Stimmt. Mist. Ich habe keinen. Falls ich also rückfällig werde und wieder zu rauchen beginne, liegt’s daran. Da bin ich mir sicher. Bei der Frage ob ich Raucher oder Nichtraucher sei, müsste ich tatsächlich überlegen. Wahrscheinlich ist es wie bei den Alkoholikern, wenn man „trocken“ ist, denn im Kopf greift man immer noch zur Zigarette, obwohl überhaupt keine da ist.

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