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Händchen halten

Händchen halten„Ich habe euch gesehen…“ sagte ein Schulkamerad zu mir, „im Wald und ihr gingt Händchen in Händchen!“ fuhr er fort. Plötzlich stand ich da und fühlte mich ertappt. Dass man mich, bzw. uns im Wald sah, machte nichts. Ich sah daran nichts Verwerfliches. Aber diese Beschreibung „Händchen in Händchen“ rief in mir so etwas wie „ertappt“ hervor.

Ich konnte mir unter dieser doch eher sachlichen Umschreibung, sich an der Hand zu halten, alles mögliche vorstellen. Es erschien mir chiffriert. Dahinter steckte mehr, als man aussprach. Es war eine geheime Nachricht. Eine verschlüsselte Botschaft, die jeder verstand, nur ich nicht. Wahrscheinlich lief ich rot an, schämte mich ob meines Frevels, dessen ich mir nicht bewusst war.

Meine erste Freundin war auf den Tag genauso alt wie ich. Sie hieß Verena und ich lernte sie als Klassenkameradin kennen. Vielleicht war ich 7, oder 8 Jahre alt, was spielt es für eine Rolle. Gerne ging ich mit ihr spazieren, durch die Wiesen und Felder und natürlich durch den Wald. Oft hielten wir uns dabei an den Händen. Es stellte zumindest optisch eine gewisse Zusammengehörigkeit dar. Niemand dachte an mehr und mehr kannte auch niemand.

Trotzdem bekam diese Bemerkung „Händchen in Händchen“ eine besondere Bedeutung und noch lange Zeit danach witterte ich darin eine völlig andere Nachricht, die der Sache die kindliche Unschuld nahm.

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