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Wie schreibt man einen BestsellerEs ist wie Kochen; man gibt sich beim Tagesmenu genauso viel Mühe, wie bei einer 8-gängigen Schlemmertafel plus Stehgeiger nebst Kerzenschein. Wird es ein Sachbuch, oder wird es ein Roman, wird es ein Krimi, oder wird es eine Erzählung. Der Rahmen wird/ist entsprechend des Inhalts anders gestaltet. Wird es womöglich eine Biographie? Dann fordert es ein gutes Gedächtnis, um die wirklichen Meilensteine herauszumeißeln und schriftlich interessant zu formulieren.

Und dann wird es zum Bestseller? Noch nicht. Zunächst muss man einen Verleger finden, es wahrscheinlich umstrukturieren und mit ein wenig Glück trifft man das Interesse vieler Leser. Die Popularität der schreibenden Person, bzw. das Buch, sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Beides fokussiert das selbe Ziel.

Von bedeutsamer Wichtigkeit ist die Leserschaft. Wen will man erreichen, wen will man ansprechen? Bedient man sich einer nur für ein bestimmtes Publikum gewohnten Ausdrucksweise, wird es vielleicht nicht jeden ansprechen, aber Nischen bedienen. Jeder Autor war bis zu seinem Durchbruch als Schriftsteller mehr oder minder unbekannt und fristete ein eher unspektakuläres Dasein in Sachen Autorenschaft, wie sich am Beispiel von Joanne K. Rowling (Harry Potter) deutlich erkennen lässt.

Auf jeden Fall existieren genügend Beispiele dafür, dass man als Bestsellerautor nicht zuvor etliche Texte veröffentlichen, oder Shakespeare, Goethe und Schiller gelesen haben musste. Man kann direkt mit einem Buch beginnen, so einem der Sinn danach steht und/oder ausreichend Material vorhanden ist. Seine Erinnerungen an gewesene Zeiten zu notieren und diese sehr authentisch darzustellen, gelang Anna Wilmschneider mit dem Roman „Herbstmilch“.

Viele Autoren schreiben unter etlichen Pseudonymen für div. Verlage, ohne selbst in Erscheinung treten zu wollen. Die sogenannten „Groschenhefte“ sind ein Beleg dafür.

Die Frage wen dies oder das interessiert, oder wer dies oder das später lesen soll, darf nicht entstehen. Dass die Feuchtgebiete von Charlotte Roche zum Verkaufsschlager wurden, lag nicht unbedingt am Inhalt des Buches. Nachahmungen einer ähnlich gelagerten Thematik blieben verstaubt in den Regalen liegen. Und der oder die Erste zu sein, etwas völlig Neues auf den Markt zu bringen, eine schockierende Offenheit zu demonstrieren, wird dauerhaft nicht bestehen.

Selbst die Bücher eines Stephen King behandeln ständig wechselnde Themen, langweilig ist’s daher nicht. Der Leser ist sensibel. Seine Aufmerksamkeit und nicht zuletzt die Kritiken bringen „Ungereimtheiten“ spätestens beim Erscheinen des Buches ans Tageslicht: Hier kann etwas nicht stimmen!

Sachbücher eines Peter Scholl-Latour benötigen fundiertes Hintergrundwissen, wie auch penibelste Recherche. Ebenso ist es mit dem investigativen Journalismus eines Günter Walraff. Hier steht die Recherche ebenso an oberster Position und ein Buch entsteht nicht binnen weniger Tage.

Den Schreibstil eines bekannten Autors zu imitieren ist ebenso verpönt, wie sich manche Gemälde als Fälschung entpuppen, wenn sie von Fachleuten inspiziert werden. Man verfolgt sein eigenes Ziel und jeder selbst formulierte Satz dient als Übung. Selbst die bekanntesten Autoren reichten ihre ersten Werke mit Herzklopfen ein und kassierten eine Absage nach der anderen, bis schließlich die ersehnte Zusage eintraf. Durchhalten und an sich und seine Geschichten glauben ist somit von elementarer Wichtigkeit.

Gute Ratschläge bekommt man zu allen Lebenslagen und nicht jedem kann man gerecht werden. Sollte man auch nicht.

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2 Responses to “Wie schreibt man einen Bestseller”

  1. Jürgen sagt:

    Macht Mut der Artikel, dann werde ich mal meine Pendlergeschichten demnächst an die Verlage schicken und mich danach bei den Talkshows mit Kerner und Co. langweilen, lach,

  2. Lutz Spilker sagt:

    Hallo Jürgen,

    ein Buch zu schreiben bedeutet nicht, dass es kaufbar ist, im Laden oder im Regal mit einer ISBN versehen sein Dasein fristet.

    Es ist das geschriebene Wort, welches es zu Papier zu bringen gilt. Auch muss ein Buch keine 400 Seiten umfassen. Ich denke daran hapert es bei einigen, die das Wort BUCH als unüberwindbares Gebirge betrachten…

    lG
    Lutz

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