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Wo bleibt das GlückStändig befördere ich mich (rein gedanklich) in die Zukunft und schaue dann auf die jetzige Zeit zurück. Diesen Bogen, also dieselbe Anzahl von Jahren, wende ich als Blick auch aus der momentanen Zeit rückwärts in die Vergangenheit an. Er ist unabdingbar, denn erst dann wird das Bild komplett. Gerade in der aktuellen Zeit, in der sich energietechnisch eine Menge bewegt und allerorts politische Wahlen stattfinden, hört man ebenso nichts davon.

Auch in älteren Dokumenten vermisst man es. Überall wird von Menschen gesprochen, von der Bevölkerung, von der Unter-, Mittel- und Oberschicht ist die Rede … aber nirgendwo liest man etwas von deren Befinden. Niemanden scheint es zu interessieren, wie es den Menschen geht und aller Wahrscheinlichkeit nach erging es den Bewohnern früherer Epochen ebenso.

Von Sklaverei und von Lotteriegewinnern ist zu lesen und zu hören, von Siegern und Verlierern … aber kein Wort wird darüber verloren, ob sie glücklich sind/waren. Die Zufriedenheit, die Sorglosigkeit und die Gewissheit, dass sie sich geborgen fühlten, glücklich sind oder es zumindest waren und sich womöglich am kommenden Tag erfreuen. Warum wurde es nicht dokumentiert? Von Schulden ist die Rede, von Schuldenberatern und von anderen, nicht überall bekannten Dingen. Menschen werden vor Gram und Sorge krank und der Alltag raubt ihnen den Schlaf.

Das ist gewiss kein Glück. Das hat mit Glück nicht das Geringste zu tun. Wie wird – in ferner Zukunft somit – von den Menschen der jetzigen Zeit gesprochen? Wie wird über sie berichtet? Existieren überhaupt Dokumente, die eine solche Laune fixieren? Waren die Leute der Jahre 2000 glücklich? Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise? Trotz Umwelt- oder Abwrackprämie und trotz all ihrer Nöte? Waren sie’s? Glücklich und zufrieden? Allesamt? Konnten sie in Ruhe schlafen oder mussten sie sich vorher betäuben? Fraßen Kummer und Sorgen an ihnen und raubten ihnen die Sicherheit? Die Bedenken um den Tag, das Jahr und vielleicht sogar des eigenen Lebens? Und die Kinder? Waren die glücklich? Sorgte sich jemand um alle Menschen?

Das Hier und jetzt.

Man kann sich davon befreien. Man kann sich dessen entledigen, indem man es einfach ignoriert und sich sein eigenes Hier und Jetzt bildet. Das entspräche dann dem eigenen Horizont … dem persönlichen Kosmos. Was interessieren dann noch die krankmachenden und schlafraubenden Gedanken der Leute in der Zukunft, auch wenn die eigenen Kinder und Kindeskinder dabei sein könnten? Die persönliche Genügsamkeit entpuppt sich immer wieder als die stärkste Armee. Wen interessieren die Trends, Wahlbeteiligungen oder andere, verzichtbare Modeerscheinungen, wenn sie durch die eine Macht im Zaum gehalten werden?

Aufgrund angenehmer Umstände und schönem Wetter interessiert sich doch niemand mehr für irgendwelche Auffälligkeiten, die mit der Lebensdauer eines Wimpernschlags verhaftet werden.

Wen schert also die Vergangenheit, geschweige die Zukunft?

Manchen geht es gut. Sie haben keine Probleme und darum sind sie glücklich. Anderen Leuten geht es aber nicht so gut. Sie haben allerdings Probleme und sind daher nicht glücklich. Schaffen sie sich diese Umstände eigens? Sind sie für diesen Zustand selbst verantwortlich? Tragen sie eine Mitschuld? Ist Glücklichsein demzufolge nicht jedem erlaubt?

Manch einer kennt das Glück bloß als Wort. Das dazugehörige Gefühl fehlt. Manche Menschen haben noch nie Schnee gesehen – es muss ähnlich sein. Manche Menschen machen Glück von persönlichem Wohlstand abhängig und den wiederum von ihrer Bildung. Dann wären der reichste und der intelligenteste Mensch gleichsam die beiden Glücklichsten? Die einfachste Formel für Glück?

Umgekehrt wären jedoch die ärmsten und ungebildetsten Menschen gleichsam die Unglücklichsten und darum allein wird Glück wohl nirgends dokumentiert … weil es niemanden interessiert beziehungsweise zu interessieren hat. Viele Vitae bekannter Personen und Persönlichkeiten weisen dutzende von Daten auf, doch ob sie glücklich waren, las noch keiner. Möglicherweise schrieben sie es gar nicht auf, weil sie es für unwichtig hielten.

Oftmals sind es Dritte, die sich zu Wort melden und wähnen posthum, dass diese oder jene Person ein glückliches Dasein geführt hat. Weil sie nichts darüber berichtete oder zeitlebens nicht danach gefragt wurde?

Glück ist erlernbar!

So plakatieren es zumindest einige Buchtitel. Zumindest wird dadurch die Notwendigkeit gefördert und katapultiert das Thema auf den Stundenplan. Glücklich zu sein beziehungsweise Glück zu haben rückt somit an die Position der Pflicht. Wer kein Glück vorzuweisen hat, ist nun mal ein Pechvogel.

Aber wird man davon in etwa 500 Jahren noch etwas wissen? Und in 1000 Jahren? Wie fühlten sich die Leute beim Bau der Pyramiden? Waren sie glücklich? Warum? Wo steht das geschrieben? Waren sie etwa unglücklich? Auch das kann nicht belegt werden. Wie fühlen sich die Leute beim Bau heute? Glücklich oder unglücklich?

Es heißt: Glück ist eine Empfindung und jeder empfindet es anders. Ein Synonym der persönlichen Zufriedenheit mit temporärem Charakter. Demzufolge können ganze Völker nicht glücklich sein, handelt es sich hierbei um zu viele unterschiedliche Individuen. Glück wäre somit eine Zuteilung, die nicht jeden erreicht, nicht jeden erreichen kann und womöglich auch nicht jeden erreichen will. Wollen manche Menschen gar nicht glücklich sein? Muss man sie zu ihrem Glück zwingen? Glückliche Gesichter halten kein Leben lang. Das persönliche Befinden scheint keiner Erwähnung wert zu sein. Niemals gäbe es ein Bild der jeweiligen Gesellschaft ab. Der Mensch hat gelernt sich anzupassen, zu fügen und zu disziplinieren.

Man ist frisch verliebt und glücklich. So einfach ist das. Wären nun alle Menschen verliebt, wären auch alle glücklich? Vielleicht in einem Film oder in einem Roman. Im normalen Leben ergibt sich eine derartige Konstellation eher selten. Man hört, sieht und liest nichts darüber. Glück wird nicht erwähnt. Man redet übers Wetter, über das neue Auto, über den Verein, über die Familie, über den Urlaub und eigentlich über alles Mögliche … nur nicht über das Glück. Glücklich zu sein ist offenbar tabu.

Die Menschen in der Steinzeit, die Kreuzritter, die Sieger irgendwelcher Kämpfe und seien es bloß Wahlkämpfe; sind oder waren die Menschen glücklich? Sie sahen vielleicht so aus und man war geneigt ihnen Glück zu unterstellen. Spiegelte ihr Gesicht wirklich den augenblicklichen Zustand oder zeigte es bloß das Ergebnis jahrelanger Übung? Entsprach es womöglich bloß der Erwartungshaltung des Betrachters? Kein Sieger will normal oder gar unglücklich aussehen. Aber doch sieht man es niemandem an, ob er wirklich glücklich ist. Aber man erkennt doch, ob jemand glücklich ist – oder etwa nicht?!

Woran ließe es sich erkennen?

Diese Leute lächeln so unendlich zufrieden. Ja, das tun Tote im aufgebahrten Sarg auch. Das liest man in Märchen immer häufiger. Da gibt es einen König, der über ein glückliches Volk herrscht. Hier achtete der Autor auf die Erwähnung des Glücks.

Aber welcher Regent der jetzigen Zeit herrscht über ein glückliches Volk? Es wird verdrängt. Es gerät nicht ins Bewusstsein, es wirkt blass und völlig vernachlässigt, dieses Glück. Es ist irgendwie lästig und doch begehrt. Man kann es nicht bestellen und man kann es nicht einsperren. Man sucht danach und so man es findet, tritt man versehentlich darauf, zerstört es und flucht. Waren die Götter des Olymp glücklich? Die Wanheimer etwa oder die Walhallaer? Immerhin waren es Götter!

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